Kunst

Magritte. Der Verrat der Bilder

Ausstellung in der Frankfurter Schirn
Metropolis Magritte. Der Verrat der Bilder
Magritte. Der Verrat der Bilder Magritte. Der Verrat der Bilder Magritte. Der Verrat der Bilder

Magritte. Der Verrat der Bilder

"Ich bin kein Künstler" - die Selbstauskunft Magrittes muss nicht überraschen, bei einem, der auf einem seiner berühmtesten Bilder, dem mit der Pfeife, daruntergeschrieben hat: "Das ist keine Pfeife." Damit ist klar: Magrittes Bilder kann man nicht einfach betrachten, man muss sie auch verstehen.

Der Belgier gehört zur Klasse der intellektuellen Surrealisten. "Ich denke, also bin ich." Der erste Grundsatz des Philosophen René Descartes gilt auch für das Gesamtwerk des Malers René Magritte. Auf seinen Bildern taucht oft seine eigene Silhouette auf: ein Mann mit einer Melone. Der archetypische Petit-Bourgeois, der Biedermann. Unauffällig, lautlos, korrekt. Ganz anders ist seine Bildwelt: übereinandergelagerte Raumschichten, schwarz-humorige Erzählbilder, scheinbar Banales, dahingepinselt, wie es ein Sonntagsmaler nicht hätte schlechter machen können

René Magritte ist der Maler der Welträtsel und der, wie es hieß, "größte Kleinbürger, der jemals in Brüssel lebte." Doch Vorsicht: seine Bilder zeigen auch den Unruhestifter, den Spießer, der in aller Heimlichkeit die bürgerliche Ordnung sabotierte: Zwei Liebende, die sich küssen wollen, es aber nicht können, weil ihre Köpfe mit Bandagen eingewickelt sind, ein Mann, wahrscheinlich er selber, der seine übergroße Nase in seiner Pfeife einzieht, die sogenannte "Schöne Welt" von 1962, in der ein blau-weißer Wölkchenhimmel in typischer Magritte-Manier zerschnitten präsentiert wird, darunter liegt ein saftig grüner Apfel, scheinbar fehl am Platz und doch mit voller Absicht dahin drapiert.

Magritte störte es ein Leben lang, dass Maler oft nur als kunstfertige Farbauftrager gesehen wurden, als Handwerker und nicht als denkende Individuen, wie etwa die schreibenden Künstler. Dagegen hat er seine Bilderrätsel gemalt. Nicht so gewaltig und aus dem Unterbewussten hervorkriechend, wie beim anderen großen Surrealisten, Salvador Dáli. René Magrittes Bilderrätsel strahlen stets den diskreten Charme des (Klein-)Bürgerlichen aus.

Autor: Ralf Dörwang

René Magritte, L'Heureux donateur, 1966
René Magritte, L'Heureux donateur, 1966 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017