das Symbol

das Symbol: die "académie française"

Karambolage 27 - 10. Oktober 2004
Jeanne Desto, Städteplanerin und deutsch-französische Grenzgängerin, stellt uns heute eine durch und durch französische Institution vor. Mann ist ein Unsterblicher.
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So nennt man die 40 Mitglieder der ehrwürdigen Académie Française. Die Académie Française! Wie kann man einem Deutschen erklären, was die Académie Française für  einen Franzosen bedeutet? Ihre Gründung im Jahr 1635 ist Kardinal Richelieu zu verdanken. Auf dem Wappen der Académie ist die Devise: "Der Unsterblichkeit" eingraviert. Deshalb nennt man die Mitglieder der Akademie "die Unsterblichen". Der Architekt Louis Le Vau schuf das wunderschöne Gebäude gegenüber dem Louvre, auf der anderen Seite der Seine. Die von einer Kuppel gekrönten Gebäude bilden einen halbrunden Platz. Ein prachtvolles Beispiel französischer Baukunst des 17. Jahrhunderts. Die Akademiker wachen über die französische Sprache und erstellen DAS Wörterbuch, das ihren Gebrauch und ihre Entwicklung festgelegt. Nachlässigkeit können sie sich nicht erlauben. Das Wörterbuch der Académie française muss jahrzehntelang das massgebende Standardwerk sein. Zur Zeit sitzen die Akademiker an der 9. Ausgabe. Die Akademie hat allen Wirren der Geschichte und allen Revolutionen getrotzt. Seit Jahrhunderten träumen die Franzosen davon, in die erlauchte  Akademie gewählt zu werden. Das ist die höchste Weihe. Man muss dafür ziemlich berühmt sein, einige Bücher in einwandfreiem Französisch geschrieben haben und vor allem muss man die richtigen Kontakte haben. Die Akademiker wählen sich nämlich untereinander. Der letzte Neuzugang ist Valerie Giscard d’Estaing. Seine Kandidatur löste einen offenen Streit unter den Weisen aus. Wie auf dem Schulhof: DU bist mein Freund und DU bist es nicht. Letztendlich hat er genug Freunde gefunden. Ausserdem sollten die Mitglieder ein bisschen Geld haben. Das Ornat der Akademiker ist nämlich nicht ganz billig. "L’habit vert", das sog. grüne Ornat wurde unter Napoleon gesetzlich festgelegt. "Ein Frack aus schwarzem Tuch, bestickt mit Ölzweigen aus Seide. Ungefähr 600 Stunden Handarbeit stecken hinter dieser zarten Stickerei. Dazu kommt die  Medaille der Akademie.

Obligatorisch: der Zweispitz, der unterm Arm oder so auf dem Kopf getragen wird. Ein Umhang für die kalten Tage. Und schliesslich der Degen. Er ist in der Regel ein Geschenk von Freunden des Auserwählten. Den Griff zieren Figuren, die seine  Karriere bildlich darstellen. Wie bitte? Sie fragen, ob das heute alles noch wirklich nötig ist? Diese Frage käme den Franzosen nicht in den Sinn. Diese 37 Herren und 3 Damen wachen über die französische Sprache: diese Mission ist so heilig, dass man ihnen nicht noch zusätzlich Rechenschaft abverlangt. Und trotzdem, eine Sprache verändert sich. Unter den vielen ausländischen Wörtern in der neuen Ausgabe sind 49 deutsche Wörter. KARAMBOLAGE wird sie Ihnen demnächst vorstellen.

 

Text: Jeanne Desto
Bild: Karine Lalloz