Netzkultur

Wenn Venen das Passwort liefern

Sendung vom 8. Oktober 2016
Angesichts hoher Cyberkriminalitätsraten in Brasilien startet die Privatbank Bradesco erste Versuche mit der PalmSecure-Technologie, bei der Kunden anhand ihrer Venenmuster identifiziert werden. Die abschließenden Ergebnisse stehen noch aus. Über die Funktionsweise dieser Technologie hat sich FUTUREMAG mit Jorge Sarquis, Entwickler bei Fujitsu, unterhalten.

Cyberkriminalität ist in Brasilien zur Epidemie geworden. Nach Schätzungen von CERT (Computer Emergency Response Team) entfielen 2014 75 % aller weltweiten Cyber-Straftaten auf dieses Land. 45 % der Fälle betrafen Geldkartenbetrug, d. h. das gezielte Abgreifen von Daten mithilfe von präparierten Geldautomaten. Ist Biometrie die Lösung des Problems? Davon ist zumindest Bradesco überzeugt. Derzeit lässt die Bank die PalmSecure-Technologie testweise auf all ihren Geldautomaten laufen.

FUTUREMAG: Wie funktioniert die PalmSecure-Technologie?

Jorge Sarquis: Für den Kunden ändert sich eigentlich nichts, er geht weiterhin mit seiner Karte an den Geldautomaten. Dort muss er seine Hand über einen kleinen schwarzen Sensor halten, der mit Infrarotstrahlen seine Handvenen scannt. Dieses Bild wird mit dem vorab registrierten Profil des Nutzers abgeglichen, und wenn alles übereinstimmt, kann er ganz normal auf sein Konto zugreifen.

Wieso werden Handvenen genutzt und nicht beispielsweise Fingerabdrücke?

Weil man sie nicht sehen oder hören kann und es somit unmöglich ist, sie nachzumachen.
Jorge Sarquis - Fujitsu

Weil man sie nicht sehen oder hören kann und es somit im Gegensatz zu anderen biometrischen Identifizierungsmöglichkeiten unmöglich ist, sie nachzumachen. Selbst Fingerabdrücke, das derzeit am häufigsten verwendete biometrische Verfahren, können gefälscht werden. Ein hochauflösendes Foto und das war's!

Die Handvenenerkennung stellt eine sicherere Möglichkeit dar. Selbst für den absurden Fall, dass jemandem die Hand abgeschnitten würde, um sich seine Identität anzueignen, ist das System sicher. Denn ohne Blutfluss ist überhaupt keine Identifizierung möglich.

Zusätzlich ermöglicht dieses Verfahren eine Art Volkszählung. Denn um Geld abzuheben, muss der Kunde ja jedes Mal „beweisen“, dass er noch lebt.

Wieso setzen sich biometrische Verfahren weltweit nur so langsam durch?

Meines Erachtens liegt das daran, dass viele Menschen personenbezogene Daten nur ungern weitergeben. Diese Angst hängt auch damit zusammen, dass diejenigen, die in Besitz der Daten kommen, sehr viel Macht über einen erlangen. Dennoch setzt sich die Biometrie im Sicherheitsbereich zunehmend durch. Denken Sie nur an Pässe. Die sind mittlerweile alle biometrisch!

Das Gespräch führte Mehdi Karam