DIE MIT DEM WOLF TANZEN

Mit Beate Jessel und Laurent Garde
Seit rund zwanzig Jahren ist der Wolf in unseren Breitengraden wieder ein Thema.

Im 20. Jahrhundert war er in Deutschland und Frankreich sowie in anderen europäischen Ländern ausgestorben. Vor Jahrtausenden wurde der Wolf indes ob seiner Fähigkeiten von Menschen bewundert. Höhlengemälde zeugen davon. Wölfe wurden zu zahmen Beschützern erzogen und wurden als Hund so zum besten Freund des Menschen. Aber die Bewunderung ist umgeschlagen seit der Mensch sesshaft wurde und zur Weidewirtschaft überging. In Fabeln und Märchen wurde der Wolf zum Bösewicht. Kurz vor dem Jahrtausendwechsel taucht er wieder auf. Sein Comeback verdankt er dem Umweltschutz. Und damit wächst wieder die Furcht vor dem bösen Wolf. Ist sie berechtigt? Ist er ein Sündenbock oder ein blutrünstiger Schafsfresser?

Das diskutieren bei Square Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn, und Laurent Garde, stellvertretender Leiter des Forschungszentrums für Viehzucht in der Region Alpes-Méditerranée. Beiden Wissenschaftlern ist Biodiversität ein großes Anliegen, über den Lebensraum des Wolfes sind sie sich allerdings nicht einig. Die Beziehung Mensch-Wolf ist emotionsgeladen. Bewundert, gehasst und ausgerottet - das Rudeltier ist uns in seiner sozialen Struktur und Anpassungsfähigkeit sehr ähnlich.

Der Wolf als Symbol für höhere, teuflische, und auch sinnliche Kräfte - ein Tier über das viel Tinte und Blut vergossen wurde. Der zähnefletschende Wolf ist für Schafherden oft weniger gefährlich als streunende Hunde, die ihm in Größe und Kraft gewachsen sind. Wer soll in einer vom Menschen gezähmten Natur geschützt werden: das Wild- oder das Hoftier? Wer ist Täter, wer Opfer? Oder gibt es Wege für ein Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf? Square sucht nach Antworten, ohne mit den Wölfen heulen zu wollen…