Braucht es linken Populismus?

Mit Chantal Mouffe und Fabienne Brugère
Wie mit rechten Populisten umgegangen werden soll, fragen sich nicht nur Politiker, Parteistrategen und Wissenschaftler. Könnte linker Populismus das Gegengewicht bilden? Ein Streitgespräch unter Philosophinnen.

Die Gäste:

Die Philosophin Chantal Mouffe, geboren 1943 in Charleroi, Belgien, fordert linke populistische Parteien. Die Autorin von « Über das Politische, Wider die kosmopolitische Illusion » ist mit ihrem Mann und CO-Autor Ernesto Laclau eine der Inspirationsquellen der spanischen Partei Podemos. Ihrer Ansicht nach müssen die Befürworter um den Erhalt von Gleichheit und Volkssouveränität kämpfen und die affektive Komponente der Politik ansprechen.

Fabienne Brugère, widerspricht. Ihr missfallen die Vereinfachungen des rechten und linken Populismus. Sie bewertet Chantal Mouffes Haltung als überholt. Die Expertin für Ästhetik und moderne Philosophie, 1964 in Nevers geboren, lehrt an der Universität Paris 8 und engagiert sich für politische und soziale Projekte. Sie vertritt eine progressive Rationalität, die wiederum Mouffe anprangert. Das Individuum sei in den aktuellen, komplexen Situationen äußerst wichtig, da Einzelpersonen in zahlreichen, unterschiedlichen Verbindungen miteinander verknüpft sind, so Fabiènne Brugère. Sie möchte ein kollektives Pflichtgefühl erwecken.

Sind wir ein Volk, oder die Summe unserer Unterschiede?