Metropolenreport

Stettin

Stettin will Metropole werden und damit anknüpfen an eine fast vergessene, glorreiche Vergangenheit. Dafür arbeitet die Stadt hart
Metropolis WDR 3 Stettin
Metropole Stettin Metropole Stettin Metropole  Stettin

Metropole Stettin

Stettin – im äußersten Nordwesten Polens  an der Odermündung und direkt an der deutschen Grenze gelegen, wurde erst 1945 Polen zugesprochen. Lange hat diese Stadt mit sich gehadert, ein Schattendasein geführt, war das Aschenputtel unter den polnischen Großstädten, mit seiner langen deutschen Vergangenheit, vom Rest des Landes niemals ernsthaft respektiert. Das soll sich nun ändern. Stettin will Metropole werden und damit anknüpfen an eine fast vergessene, glorreiche Vergangenheit. Dafür arbeitet die Stadt hart.

Unter der Vision „Floating Gardens“ wurde in den letzten fünf Jahren eindrucksvoll auch im Kulturbereich gebaut: Eine neue sehr lebendige Kunstakademie, eine Bibliothek, zwei neue Museen. Außerdem wurde eine denkmalgeschützte Transformatorenstation zu einer Kunsthalle für zeitgenössische Kunst umgebaut und nicht zuletzt die neue Philharmonie ins Zentrum der Stadt gesetzt - ein Prachtbau, sozusagen Stettins neues Wahrzeichen. 2014 erbaut, wurde der Konzerttempel als das beste Bauwerk des Jahres mit demMies van der Rohe Preis 2015 ausgezeichnet.

Denn es geht um nicht weniger als endlich eine eigene, neue Identität für die Stadt zu schaffen. Ein Motor dieser rasanten Entwicklung: Stettins Künstler. Wir treffen sie in einer Stadt, die sich bunt zusammensetzt aus Plattenbauten, Barock und Spätgotik, Brachflächen und den neuen eindrucksvollen Kulturtempeln. Stettin – die noch Unvollkommene. Eine spannende Spielfläche für Künstler, die mitwirken an der neuen Vision und teilweise auch ihre ganz eigenen Vorstellungen haben.

Einer von ihnen ist Mateusz Czarnowski, Komponist und Frontsänger der bekannten Balkan-Brass-Folk Band Bubliczki, er arbeitet in der Philharmonie und ist dort verantwortlich für das Jugendprogramm. Er zeigt uns das neue Wahrzeichen der Stadt. Mateusz ist stolz auf die Stadt, „sie entwickelt sich gerade rasant und ich arbeite mit daran, dass es hier kulturell immer spannender wird“.

Janek Turkowski und Iwona Nowacka sind so etwas wie die Chronisten der Stadt, seit sieben Jahren dokumentieren sie das Leben im Zentrum Stettins. Hier war früher das älteste Viertel der Stadt, der „Klosterhof“, 1944 wurde das Viertel komplett zerbombt. 220 Stunden Material, Bilder und Interviews haben die beiden bereits für ihre Film- und Theater-Performance gesammelt.

Viele Bilder aus Vor- und Nachkriegszeit Stettins finden Interessierte in der Bilddatenbank Sedina.pl und im Nationalmuseum Stettin. Janek Turkowski ist Mitarbeiter am Kana Theater.

Einer der spannendsten Fotografen des Landes ist Pawel Kula, seit Jahren beobachtet er, wie sich die Stadt verändert, wir treffen ihn an der alten stillgelegten Werft. „Was mich an Stettin schon immer fasziniert hat, ist das Unfertige, sind die Brachflächen, die hier das Stadtbild seit dem Zweiten Weltkrieg bestimmen“, so der Fotograf. Kula ist Dozent an der Kunstakademie Stettin.

Autorin: Susanna Schürmanns

Muzeum Techniki
Muzeum Techniki © UM Szczecin