Metropolenreport

Paphos de Chypre

Die zypriotische Küstenstadt wird 2017 europäische Kulturhauptstadt
Metropolenreport Paphos
Metropolenreport Paphos Paphos: die zypriotische Küstenstadt wird 2017 europäische Kulturhauptstadt. Metropolenreport Paphos

Metropolenreport Paphos

Paphos: die zypriotische Küstenstadt wird 2017 europäische Kulturhauptstadt.

 

Da, wo einst Aphrodite dem Meer entstieg, liegt heute Paphos, die mit 66.000 Einwohnern viertgrößte Stadt im Südwesten des geteilten Zypern. Eine Stadt mit prähistorischer Vergangenheit und bewegter Geschichte. Römer und Türken haben hier ihre Spuren hinterlassen. Königliche Gräber, das Amphitheater und imposante Festungen gehören heute zum UNESCO-Kulturwelterbe.

Doch die Gegenwart des Küstenortes sieht anders aus: Paphos hat sich wie viele Küstenstädte am Mittelmeer an den Tourismus verkauft. Seit der Teilung Zyperns in den türkischen Norden und den griechischen Süden ist Paphos auf der Suche nach seiner Identität. 

2017 wird Paphos europäische Kulturhauptstadt. Eine Herkulesaufgabe und die einzige Chance für eine Stadt, die ihr Gesicht verloren hat.

Metropolis hat mit Kulturschaffenden über die vielen Probleme ihrer Stadt gesprochen und die Hoffnung, die sie mit dem Titel Kulturhauptstadt verbinden: Etwa mit einem der bekanntesten Gitarristen Timotheos Stylianides. Wir treffen ihn in den Königsgräbern aus dem 3. Jahrundert, einem passenden Ort, um von der Trauer in Paphos, aber auch von der Schönheit der Stadt zu erzählen.

Mit dem weitgereisten Fotografen Ergenc Mehmet Korkmazel, der 1972 als türkischer Zypriot in Paphos geboren wurde, kehren wir in jenes Viertel zurück, das nach der Invasion 1974 von den meisten Türken verlassen wurde. Heute lebt Ergenc wieder in diesem Viertel, dokumentiert seine Geschichte und Gegenwart mit der Kamera. Seine Fotos sind Teil des Ausstellungsprogramms von Paphos 2017. Seine Diagnose: „Wir haben den Titel der Kulturhauptstadt nicht bekommen, weil Paphos eine der schönsten Städte ist, sondern weil wir verzweifelt sind“.

Durch die Bauwüste des Stadtzentrums führt uns Yiannis Sakellis, Künstler und Mitglied des Kulturhauptstadt-Teams. Er hat mit ein paar Freunden vor wenigen Monaten mit eigenen Mitteln in einem Privathaus ein Kulturzentrum eröffnet. Die Regierung, sagt Sakellis, habe Paphos über Jahrzehnte vergessen. Seit den 70-er Jahren gab es nur einen einzigen Ort in Paphos, an dem überhaupt Kunst stattfand: das von Stass Paraskos gegründete College of Art, eine Art Hippieland für Künstler aus aller Welt, das heute von seiner Tochter Margaret Paraskos weitergeführt wird.

Damit in Paphos endlich die Post abgeht, tanzen sich die Breaker und Hip Hopper des ebenfalls in Eigeninitiative gegründeten „House of Dance“ die Seele aus dem Leib. Endlich wahrgenommen zu werden, ist ihre Hoffnung. Für die Nominierung zur Kulturhauptstadt haben sie beim Wettbewerb mitgemacht und bringen jetzt mit ihren Performances neues Leben in alte Ruinen.

Autorin: Martina Müller  

Link:
Pharos Arts Foundation

Bonus: Die House of Dance Crew aus Paphos zeigt eine Breakdance-Performance

Bonus Paphos: House of Dance Crew
Bonus Paphos: House of Dance Crew Bonus Paphos: House of Dance Crew Bonus Paphos: House of Dance Crew