Debate

Luc Boltanski und Arnaud Esquerre

In ihrem Buch „Enrichissement“ erläutern sie, wie der Wert bestehender Güter durch Geschichten über ihre Herkunft angereichert wird
Metropolis WDR 3 Luc Boltanski und Arnaud Esquerre
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Luc Boltanski und Arnaud Esquerre

Neben den weltweit agierenden Finanzmärkten und den traditionellen Tauschmärkten gibt es noch eine Wirtschaftsform, die jetzt die beiden renommierten französischen Soziologen Luc Boltanski und Arnaud Esquerre beschreiben: Die Anreichungsökonomie.

In ihrem Buch „Enrichissement“ erläutern sie, wie der Wert bestehender Güter durch Geschichten über ihre Herkunft angereichert wird, wie dieser Mechanismus nicht nur Kunst und Luxusindustrie prägt, sondern auch Tourismus und Immobilienmärkte und wie vor allem bestehende Vermögen davon profitieren.

Wie das funktioniert? Zum Beispiel so: „Wenn sie etwa ein Schmuckstück kaufen, dessen Steine vielleicht keinen großen Wert haben, aber der Ring ist von Marie Antoinette getragen worden, schon wird er durch eine Geschichte angereichert“, so Luc Boltanski im Interview mit Metropolis.

Das Problem an dieser Anreichungsökonomie ist, dass vor allem diejenigen profitieren, die schon etwas haben und es anreichern können. „Wenn sie aber ein Zuwanderer sind oder der Sohn eines maghrebinischen Einwanderers, dann haben sie nicht viel Vergangenheit, die sie in einer solchen Situation geltend machen können“, erklärt Luc Boltanski.

Die beiden Soziologen entwickeln in ihrem Buch eine Kapitalismuskritik über die sicherlich heftig debattiert werden wird.

Autorin: Claudia Kuhland

Luc Boltanski/ Arnaud Esquerre: „Enrichissement – Une critique de la marchandise“, Verlag Gallimard