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Instrumentalisation des violences sexuelles en France et en Allemagne

Actu: Sexuelle Gewalt in Deutschland und Frankreich
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Actu: Sexuelle Gewalt in Deutschland und Frankreich

 

Wir sprechen mit der deutsch-französischen Journalistin Cécile Calla, die von Berlin aus u.a. für Le Monde berichtet.

Die 38-Jährige wundert sich, wie die traurigen Ereignisse der Kölner Silvesternacht für politische Debatten benutzt werden und zieht Parallelen zu früheren Ereignissen in Frankreich. Wieder einmal werde der Angriff auf Frauen politisch instrumentalisiert und eine Bevölkerungsgruppe diffamiert.

Sie erinnert sich beispielsweise an die enorme, monatelange Debatte im Jahr 2002, nachdem es einen Fall kollektiver Vergewaltigung gab und eine junge Frau bei lebendigem Leib verbrannt wurde.

Obwohl in der Folgezeit statistisch keine Zunahme von kollektiven Vergewaltigungen festzustellen war, nutzte Nicolas Sarkozy diese dramatischen Ereignisse, um eine harte Sicherheitspolitik durchzusetzen.

Cécile Calla zweifelt am Erfolg dieser Sicherheitspolitik - die Banlieues seien durch Überwachungskameras und zusätzlichen Polizeieinsatz nicht wirklich sicherer geworden.

Ihr Plädoyer: Deutschland braucht neben arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen eine intensive, mutige Diskussionskultur. Und möglicherweise kann Deutschland auch aus den Erfahrungen Frankreichs mit sexueller Gewalt in Migrantenvierteln lernen.

Autorin: Petra Dorrmann

 

Auskunft zur Silvesternacht von der Kölner Staatsanwaltschaft, Stand vom 9.2.2016:

- 1054 Strafanzeigen insgesamt

- 454 Strafanzeigen wegen "sexuellen Übergriffen“ (Diese Bezeichnung umfasst Ereignisse von Beleidigung bis Vergewaltigung)

- 1.108  insgesamt geschädigte Opfer.

- 565 Opfer von sexuellen Übergriffen.

- 13 Personen befinden sich in Untersuchungshaft - einer davon wg. sexueller Nötigung.

- Gegen 59 Beschuldigte gibt es ein Ermittlungsverfahren: 4 davon werden eines sexuellen Übergriffs beschuldigt.

- 50 der Beschuldigten stammen aus Nordafrika