Fotografie

Anders Petersen

Ein Meister der subjektiven Dokumentarfotografie
Mit dem Bauch fotografiert: Die Bilder des schwedischen Fotografen Anders Petersen
Metropolis Anders Petersen
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Fotografie: Anders Petersen

Menschen haben ihn immer interessiert: den schwedischen Fotografen Anders Petersen. Seit über 50 Jahren erforscht er sie. Menschen am Rande der Gesellschaft. Ihre Alpträume, ihre Verzweiflung, ihre Sehnsüchte, ihren Wahnsinn. Seine Fotos kann man riechen, schmecken, spüren. Der am 3. Mai 1944 geborene Petersen ist immer nah dran und mittendrin. Er will nicht Gast sein im Leben seiner Modelle, er nimmt teil. Es geht nicht darum, ein schönes Foto zu machen, sondern ein wahrhaftiges, eines das die Menschen berührt. Er mache seine Bilder mit dem Bauch, sagt er. Es geht um Neugier. Um Authentizität. Darum, die eigenen Emotionen einzubringen. Für Petersen ist Fotografieren kein Beruf, sondern das Leben.

Berühmt gemacht haben ihn seine Fotos vom legendären Hamburger „Café Lehmitz“ im Sankt Pauli der 60-er Jahre. Um deutsch zu lernen war er mit 18 aus Stockholm nach Hamburg gekommen.  Über zwei Jahre verbringt er im Kiez-Café, mit Huren, Zuhältern, Kleinkriminellen, Obdachlosen und Transvestiten. Es entstehen Klassiker der Milieufotografie. Eines der berühmtesten „Lillie und Rose“ machte Tom Waits zum Plattencover von „Raindogs“. Petersen fotografiert u.a. auch in Gefängnissen, Altenheimen und psychiatrischen Anstalten.

1970 begründete Petersen die Stockholmer Fotografengruppe SAFTRA, unterrichtete Fotografie und hat inzwischen mehr als 20 Fotobücher veröffentlicht. Immer noch ist Petersen unterwegs in den Städten der Welt. „City Diaries“ heißen seine neuesten Arbeiten. Sie sind jetzt in einer großen Retrospektive im „Marta“ in Herford bis zum 12.3. 2017 zu sehen. Petersen hat Metropolis durch die Ausstellung geführt.

Autorin: Katja Lüber

Buchtipp

Anders Petersen. Die Monografie. Schirmer und Mosel

CloseDistance, Asiatin, Paris
CloseDistance, Asiatin, Paris   © Anders Petersen