die Feier

die Feier: der deutsche Nationalfeiertag

Karambolage 341 - 28. September 2014
Wie Sie alle wissen ist am nächsten Freitag Tag der deutschen Einheit, an dem der deutschen Wiedervereinigung gedacht wird. Das war aber nicht immer so. Jeanette Konrad kommt auf die etwas chaotische Geschichte des deutschen Nationalfeiertags zurück.

Die Franzosen – das ist allseits bekannt – feiern am 14. Juli ihren Nationalfeiertag. Wir Deutschen feiern seit 1990 am 3. Oktober den "Tag der deutschen Einheit", das wissen Sie natürlich. Aber gab es eigentlich vor 1990 einen deutschen Nationalfeiertag? Deutschland als Nationalstaat gibt es bekanntlich noch gar nicht so lange. Das Kaiserreich wurde am 18. Januar 1871 im prunkvollen Spiegelsaal von Versailles verkündet, Sie erinnern sich. Bald wird auch die Forderung nach einem nationalen Feiertag der nun vereinigten Einzelstaaten laut. Auf der Hand liegt natürlich das Datum der Reichsgründung, aber Kaiser Wilhelm I. ist dagegen. Der 18. Januar war nämlich schon "besetzt": Man gedachte an diesem Tag der ersten Krönung eines preußischen Königs 1701 und der Ruhm Preußens sollte nicht in den Schatten eines gesamtdeutschen Feiertags gestellt werden. Man hätte auch den 2. September, den sogenannten "Sedantag" wählen können, an dem man sich an den entscheidenden Sieg der deutschen Soldaten über die französischen Truppen 1870 bei der Stadt Sedan erinnert, eine Schlacht, die mit der Kapitulation der Franzosen und der Gefangennahme Napoelons III. endete. Die Franzosen haben dieses verheerende Datum verständlicherweise sehr schnell vergessen. Auf der deutschen Seite hingegen wird der Sedantag zwar zunächst jedes Jahr an Schulen und Universitäten gefeiert, aber ihm wird niemals die Bedeutung der alljährlichen Kaiserparade oder des Kaisergeburtstags zukommen. Kaiser Wilhelm I. wollte ihn sicher auch deshalb nie zum offiziellen Nationalfeiertag des Deutsches Reiches erheben.

Nach Ende des 1. Weltkriegs wird in der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik, der 11. August zum deutschen Nationalfeiertag erklärt. Am 11. August 1919 hatte nämlich Reichspräsident Friedrich Ebert die neue Verfassung der Weimarer Republik unterzeichnet. Bis 1933 feiert man alljährlich diesen Verfassungstag als "Geburtsstunde der Demokratie". Das passt den Nationalsozialisten natürlich nicht. 1933 erheben sie den 1. Mai zum "nationalen Feiertag des deutschen Volkes". Damit verleiben sich die Nazis den "Tag der Arbeit" ein, der den Gewerkschaften gehörte, und schalten ihn im Sinne ihrer Ideologie gleich. Nach dem 2. Weltkrieg gibt es im geteilten Deutschland – Sie ahnen es – zwangsläufig auch zwei Nationalfeiertage. In der Deutschen Demokratischen Republik wird der 7. Oktober, der Tag der Staatsgründung im Jahre 1949 zum offiziellen Feiertag erklärt. In Westdeutschland hingegen gedenkt man des Volksaufstands vom 17. Juni 1953, bei dem sich die DDR-Bürger gegen das stalinistische Regime auflehnten und über 50 Menschen getötet wurden. Von 1954 bis 1990 ist dieser "Tag der deutschen Einheit", sprich der gewünschten deutschen Einheit, der offizielle Nationalfeiertag der Bundesrepublik Deutschland.

Am 9. November 1989 fällt die Mauer. Das wäre natürlich ein perfektes Datum für einen Nationalfeiertag, wenn es nicht ausgerechnet mit dem der Reichskristallnacht 1938 zusammenfiele. In dieser Nacht verübten die Nazis bekanntlich die ersten großen Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung. Also einigte man sich auf den 3. Oktober, das Datum des offiziellen Beitritts der Deutschen Demokratischen Republik zur Bundesrepublik Deutschland. Ein vollkommen neutrales Datum. So neutral, dass vor 10 Jahren Kanzler Gerhard Schröder tatsächlich in Erwägung zog, den Tag der Deutschen Einheit von nun an immer am ersten Sonntag im Oktober zu feiern, um einen Feiertag einzusparen. Letztendlich sprach sich der damalige Bundespräsident Horst Köhler dagegen aus. So ist der 3. Oktober - nach langem Hin und Her – schließlich zum deutschen Nationalfeiertag geworden, und dabei wird es auch hoffentlich bleiben – wir werden sehen!

 

Text: Jeanette Konrad
Bild: Philippe Massonnet