der Gegenstand

der Gegenstand: Orangina

Karambolage 425 - 25. März 2017
Olaf Niebling lädt uns heute auf ein französisches Erfrischungsgetränk ein, das es in sich hat. Jetzt wird geschüttelt!
Karambolage 425 - Orangina
der Gegenstand: Orangina der Gegenstand: Orangina der Gegenstand: Orangina

Oranginaaaaa! Eine legendäre Limonade in einer kleinen, runden Flasche, die man vor dem Trinken gut schütteln muss. Aber was ist da eigentlich drin, in dieser Flasche?
Das ist wie bei Coca Cola, das wahre Rezept ist geheim. Schauen wir einmal: Sprudelwasser, konzentrierter Saft von Orangen und Zitrusfrüchten 12 %, (Orange 10%, Zitrone, Mandarine, Grapefruit), Zucker, Fruchtfleisch 2% (Orange, Mandarine), Orangenaroma - und keine Gentechnik. Doch der eigentliche Dreh bei Orangina ist die Dosierung der Orangenessenz, und man braucht mindestens 3 Kilo Orangen um den Tropfen zu gewinnen, der den ganzen Unterschied ausmacht. Ach, und außerdem ist in Orangina nicht nur Saft, sondern auch Fruchtfleisch, und zwar jede Menge Fruchtfleisch!

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Dieses Fruchtfleisch gibt der Orangina erst ihren Kick. Deswegen muss man die Flasche schütteln. Die Werbung warnt: „Orangina, die muss man schütteln, sonst bleibt das Fruchtfleisch unten“. Vor den 70er Jahren galt das Fruchtfleisch am Flaschenboden nämlich als Makel. Und dann kam man bei Orangina auf die Idee, aus dem Makel ein Markenzeichen zu machen und ausdrücklich zum Schütteln anzuhalten. Seitdem wird in jeder Werbung geschüttelt. „Schüttel Dir eine!“
Ach ja, die Orangina-Werbung. Ihr verdanken wir, dass die runde Flasche zum Kultobjekt wurde. Orangina lässt nämlich nur die verrücktesten Werber ran: Jean-Jacques Annaud, Terry Gilliam, Jean-Paul Goude, Alain Chabat, und der Comedian Jamel.

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Allein die Form der Flasche ist ein Markenzeichen: das Glas ist etwas hubbelig, wie Fruchtfleisch oder Orangenhaut, obwohl die Flasche eigentlich birnenförmig ist. Das Logo, die spiralförmige Orangenschale, erfand Bernard Villemot 1953: „Orangina, besser als  Limonade“, heißt es. 1989 kam der Sommerhit Lambada.

Sie erinnern sich vielleicht an den Clip, der von, genau, Orangina gesponsert wurde. Wohl weil Tanz auch durchschüttelt. Mit fast 80 ist Orangina heute immer noch in und auch sehr präsent im Internet.

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Wo alles anfing?
Auf der internationalen Handelsmesse in Marseille im Jahr 1935. Einem gewissen Léon Beton, Besitzer einer Orangenplantage in Algerien, fällt der Stand des Getränkes Naranjina auf, „kleine Orange“ auf Spanisch, und Erfindung eines spanischen Apothekers namens Agustin Trigo. Damals enthält noch der Verschluss das Orangenöl. Das vermischt man mit dem gezuckerten Sprudelwasser, schütteln, fertig. Beton und Trigo kommen miteinander ins Geschäft, ein paar Kriege verzögern die Angelegenheit, aber Anfang der 50er kommt Orangina tatsächlich auf den Markt. Erst in Algerien, dann im französischen Mutterland, wo die Gastwirte nörgeln, weil es unmöglich ist, diese runde Flasche zu lagern! Angesichts der Verkaufszahlen gewöhnen sie sich aber schnell daran, nicht zuletzt wegen der vielen Werbegeschenke.

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Bald erobert die kleine Oranginaflasche neue Märkte, und das in der ganzen Welt. In Deutschland wird es als exotisches Getränk, so französisch gehandelt! Seltsam nur, dass man sie in seinem Ursprungsland, in Spanien nicht findet.
Inzwischen ist Orangina übrigens ohnehin nicht mehr französisch, die japanische Firmengruppe Suntory hat die Marke vor einigen Jahren aufgekauft. Aber wie dem auch sei, eine Oranginaflasche, ob japanisch oder französisch, wird geschüttelt, muss geschüttelt werden! Nur bitte nie wieder Lambada!

Text: Olaf Niebling
Bild: Maud Remy