Neue Wirtschaftsmodelle

Jugaad, die frugale Innovation

Sendung vom 14. März 2015
Jugaad ist Hindi und steht für die Fähigkeit, mit bescheidenen Mitteln und etwas Einfallsreichtum effiziente Lösungen zu finden. Mit anderen Worten: „Weniger ist mehr!“

Das beste Beispiel für die Jugaad-Philosophie sind wohl die „Lastwagen“ aus Blech und Holzbrettern, die auf den indischen Straßen zu sehen sind. Ihre Motoren bestehen aus ehemaligen Bewässerungspumpen.

 

Not macht erfinderisch – und wer mit bescheidenen Mitteln arbeiten muss, kommt bisweilen auf geniale Ideen. Dieses Konzept hält nun unter dem Schlagwort „frugale Innovation“ Einzug in die westliche Unternehmenskultur.

 

 

Frugal heißt nicht „Low Cost“

Jugaad ist ein alternativer Ansatz, bei dem es darum geht, dem Konsumenten zu geringsten Kosten bestmögliche Lösungen oder Produkte zu bieten.

„Frugale Innovation“ darf jedoch nicht mit „Low Cost“ verwechselt werden – denn während bei letzterem die Produktqualität leidet, verzichten „frugale“ Erzeugnisse auf alles Nebensächliche und konzentrieren sich auf das Wesentliche. Ein Low-Cost-Smartphone hat einen Fotoapparat und Internetzugang, gibt aber beim kleinsten Stoß den Geist auf. Mit einem „frugalen“ Handy hingegen kann man nur telefonieren und SMS senden – dafür übersteht es aber ein Bad im Wassereimer.

 

Einige Beispiele in Bildern.

 

Mangalyaan, der Jugaad-Satellit

Sechs Jahre und 671 Millionen Dollar waren nötig, damit die NASA die Sonde MAVEN auf den Mars schicken konnte.

Am 5. November 2013 startete die erste Rakete der Indian Space Research Organisation zum roten Planeten – das Programm hatte nur eineinhalb Jahre gedauert und gerade einmal 73 Millionen gekostet. Der Schlüssel zum Erfolg heißt – Jugaad

 

 

Die Raumsonde Mangalyaan besteht aus recycelten Komponenten und ist technologisch bei weitem nicht so ausgefeilt wie MAVEN – aber sie funktioniert. Und hat weniger gekostet als eine Boeing.

 

Beton für die Slums

Wer erfolgreiche Produkte anbieten will, muss die Bedürfnisse der Kunden kennen. Um den Bewohnern des indischen Slums Dharavi ihren Beton zu verkaufen, schuf die Firma Lafarge daher ein maßgeschneidertes Produkt – einen langsam härtenden Fertigbeton. 

 

 

Denn mit einen Betonmischer durch die engen, vollen Gassen dieses Viertels von Bombay zu fahren, ist natürlich unmöglich! Der Fertigzement wird am Rande des Slums hergestellt und kann auf einem Motorrad transportiert werden.

 

Mitticool, ein Kühlschrank aus Lehm

Mansukh Prajapati ist Töpfer und hat einen Kühlschrank erfunden, der ohne Strom funktioniert – nach einem ähnlichen Prinzip wie das Schwitzen beim Menschen.

 

Der Kühlschrank besteht aus einem Lehmwürfel mit hohlen Wänden, in die Wasser gegossen wird. Dieses verdunstet aufgrund der hohen Außentemperatur. Durch dieses einfache physikalische Prinzip bleibt der Innenraum des Mitticools kalt genug, um Obst und Gemüse tagelang frisch zu halten.

 

 

Tata Nano, das günstigste Auto der Welt

Eine vierköpfige Familie auf einem einzigen Moped ist in indischen Metropolen kein seltener Anblick. Das innovative Fahrzeug Tata Nano ist für diese Haushalte eine echte Alternative: solider, sicherer und kaum teurer als ein Zweirad.

 

Das Auto bietet zahlreiche Innovationen: Es hat keinen Kofferraum, da sich der Motor im Heck befindet, und die Räder sind klein, um auf eine Servolenkung verzichten zu können. Radio und Klimaanlage gehören nicht zur Serienausstattung.

Das Ergebnis: vier Räder und eine Karosserie für das einfachste Auto der Welt – zum Preis von nur 1560 Euro.